"..... sicher, es hätte so nicht passieren dürfen, aber nun war es halt geschehen. Alfonse spürte durchaus ein gewisses Bedauern für die beiden Deutschen. Aber, seien wir ehrlich: Sterben muss jeder einmal. Und besser es geht schnell als langsam. Und überraschend. Warum sich fürchten, vor dem Ende, stunden- oder tagelang, wenn es auch ganz schnell gehen kann? Eben.

 

Alfonse war kein Unmensch. Hatte er ihnen nicht sogar damals das alte Gutshaus verkauft und war in die kleinere, heruntergekommene Hütte des Gutsverwalters gezogen? Genau. Gut, sie hatten dafür bezahlt. Aber Geld ist eben

nicht alles. Das hatten sie ja nun gelernt. Darauf noch einen Wein. Und warten bis das Gift wirkt.

 

Alle Vorurteile, die man, wie er gelesen hatte, im Heimatland der Deutschen gegen Menschen aus Düsseldorf hat - er fand sie bestätigt, als sie betrunken und mit Drogen vollgepumpt den für ein irrsinniges Geld neu angelegten Kiesweg zum Gutshaus entlang gerast waren und „Bebe“ und „Meme" zu Hackfleisch verwandelten. Um ihm dann, schamlos, lachend fast, weil er weinte, Geld anzubieten, sich doch bitte einfach zwei neue Schafe zu kaufen.

 

Wer die Liebe der Schafe nicht kennt, weiß natürlich nichts von seinem Verlust. Sie verstanden es auch nicht, als er zur Flinte griff…"

 

aus DAS WEINEN DER SCHAFE, Harry Thomas, Verlag Döner-Kauer, Berlin

bilder: jutta hof / texte: rolf silber