bilder: jutta hof / texte: rolf silber

„….. denn ohne ihr Wissen, ohne dass die Teuflischen es auch nur ahnten, war es ihm all die Jahre gelungen, sie doch genau im Auge zu behalten. Ja, sie hatten ihn verachtet und bespöttelt. Seine zunehmende Gebrechlichkeit bekichert, sich gebogen vor Lachen. Selbst als er kaum noch Laufen konnte. Ihn für verrückt erklärt.

 

Aber sie hatten stets die von ihm geschickt versteckten Kameras übersehen. So hatte er heimlich alle Vorgänge im Haus minutiös elektronisch protokolliert, hatte, Stunde um Stunde, ihren hässlichen Worten gelauscht, sie bei Tätigkeiten gesehen, miteinander, übereinander, aufeinander, die jeder Beschreibung spotteten und die ihm niemand geglaubt hätte - hätte er nicht alle diese eklen Schandbarkeiten auf Tausenden von Metern Videoband festgehalten.

 

Nun also war der Tag gekommen. Sein Tag. Gerade hatte er den Schrank mit dem Material ausgeräumt, einen Termin beim Privatfernsehen gemacht, damit endlich allgemein bekannt würde, was hier vor sich ging, als sein Enkel den Raum betrat. Etwas in der Hand, das ihn ohne jeden Zweifel töten sollte. „Opa, deine Medizin“, sagte der Bursche und richtete seine kleinen Rattenaugen auf ihn, er aber nahm allen Mut zusammen und….…“

 

aus FEGEFEUR FÜR FUNKTIONÄRE, Cornelius Wolf, Erbbau Verlag Köthen