„….. natürlich hatte ich es sehr bedauert. Ich war ja, trotz der unsäglichen Dinge, die man mir, gerade in der letzten Zeit, nachgesagt hatte, durchaus kein Unmensch. Ganz im Gegenteil. Mein ganzes Streben hatte sich doch immer nur darauf gerichtet, der Menschheit einen Dienst zu tun. Aber wie bitter doch die Ironie, dass ausgerechnet mein geschätzter Lehrer, Professor Fillipov, mich in der Vorlesung zum Gespött der wissenschaftlichen Welt gemacht hatte. Mich, seinen einst geschätztesten und unterwürfigsten Schüler.

 

Natürlich ahnte er, was auf ihn zukam. Wie auch nicht. Der Aufbau der Apparaturen hatte seine ganz eigene, von ihm sofort zu verstehende Sprache. Er rollte die Augen, atmete heftig, versuchte gegen den Knebel in seinem Mund anzubrüllen, aber - vergeblich. Es war nun mal jetzt für ihn die Zeit gekommen, das ganze Ausmaß, die Grösse und Schönheit meiner Entdeckung am eigenen Körper zu erfahren. Sicher, der Zweifel an mir und meiner Forschung bestand für den Moment noch fort, erzeugte in ihm Angst, ja die Panik des nur noch nicht Wissenden. Aber wenn ich erst alle Geräte appliziert hätte, würde sich das rapide ändern, hin zu der auch für ihn beglückenden Erfahrung….“

 

 

aus KONFESSIO EINES SPÄTEN GENIUS, Raimund Zwingli, Tevah Verlag, Zürich

bilder: jutta hof / texte: rolf silber