22ndplot

Ein Artikel aus dem Sammelband SCENARIO 1 aus dem Jahre 2007....

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© rolf silber/bild-kunst

EPSTEINS KATZE

 

 

Jeder der schon mal versucht hat, Quantenphysik zu verstehen, ist über "Schrödingers Katze" gestolpert. Jenes - nur theoretisch existierende - höchst bedauerliche Tier, das in einen Kasten eingeschlossen ist und welches gleichermaßen tot und nicht tot ist. Bis die Box, in der sie sitzt, geöffnet wird und der Betrachter ihren Zustand sieht. Und damit definiert. Der dann entweder Tot oder Nichttod sein kann. Oder umgekehrt. Je nach dem. Schon verwirrt? Keine Ahnung von Quantenphysik? Katzenhasser? Macht nix. Kommt noch besser.

 

In seinem Buch "The Big Picture" beschreibt der bekannte amerikanische Buchautor, Filmkritiker und Journalist Edward Jay Epstein etwas Ähnliches. Er nennt die Box das "Clearinghouse". Jeder amerikanische "Major", jeder Film- und Medienkonzern, besitzt so etwas. Einen großen, dunklen, verschlossenen Kasten, in dem massenweise Katzen stecken. Die ebenfalls entweder tot oder lebendig sind. Je nach dem.

 

Gut, genauer gesagt sind Epsteins Katzen in diesem Fall keine miauenden Vierbeiner sondern Filme. Und ihr Todsein oder Nicht-Todsein definiert sich am ökonomischen Erfolg. Also daran, wie viel Mäuse diese Filme gemacht haben. Und der Kasten selbst entscheidet, was sie sind. Oder diejenigen, die den Kasten kontrollieren. Weil, im Gegensatz zum verwirrenden Universum der Quanten-Katzen, für die Clearinghouse-Kästen andere Regeln gelten. Die sind zwar nicht weniger aberwitzig aber - was das Ergebnis angeht - in jedem Fall sehr viel nachvollziehbarer. Die Regel heißt: Das Clearinghouse gewinnt. Fast immer.

 

Wenn Sie jetzt partout nicht wissen sollten, wie genau so ein "Clearinghouse“ aussieht, fangen Sie bitte keinesfalls an in den Straßen ihrer Stadt nach einem solchen zu suchen. Der Einfachheit halber sei definiert: Das Clearinghouse ist jener virtuelle, buchhalterische Ort im Netzwerk der Filmökonomie, an dem alles sehr viel unklarer wird. Und dieser Ort befindet sich in einem Paralleluniversum, dessen Ying und Yang „Soll“ und „Haben“ heißen. Klar? Na also. Und was das alles mit dem Schreiben von Drehbüchern zu tun hat, kommt gleich.

 

Dazu fangen wir noch mal ganz anders an: Vor vielen Jahren schrieb ein sehr begabter Autor einen Roman mit dem schönen Titel „Forrest Gump“. Dieses Buch war, vom Buchmarkt zunächst komplett unterschätzt, ganz aus eigener Kraft plötzlich ein Riesenbesteller geworden. Ja so was gibt’s.  Was dem Autor - Winston Groom - viel Geld und in der Folge einen Filmvertrag einbrachte.

 

Winston Groom war, was ja vorkommen soll, ein auch in ökonomischem Sinne kluger und gleichzeitig risikofreudiger Autor. Platt gesagt verabredete er mit dem Filmproduzenten folgende Regel: Der Produzent musste für die Rechte eine vergleichsweise geringe Summe ausspucken. Dafür erhöhte sich für den Autoren der prozentuale Anteil am Einspiel. Clever? Clever! Schließlich wurde „Forrest Gump“ dann der bis dato erfolgreichste Film aller Zeit. Und der Autor freute sich beinahe ein Bein ab, öffnete die Schleusen seines Kontos und freute sich auf die pekuniäre Sturmflut, die nun reingerauscht kommen sollte.

 

Kam nicht. Es tröpfelte nur vor sich hin. Warum? Man ahnt es schon: Wegen dem Clearinghouse. Alle Gelder, die der Film einspielte, national wie international, liefen über ein Netzwerk von Firmen und Unterfirmen, die alle irgendwie zusammengehörten und irgendwie nicht (merken: das wird noch wichtig!) und zusammen das Clearinghouse bilden. Und innerhalb dieses wunderwirkenden Clearinghouses verwandelte sich „Forrest Gump“ zu einem Film, der dem Produzenten nur minimale Gewinne, ja sogar Verlust brachte. Erfolgreichster Film aller Zeiten hin, erfolgreichster Film aller Zeiten her. Und der Produzent stand nun, die leeren Taschenbeutel demonstrativ aus der Hose gezogen, vor dem verwirrten Autor.

 

Der Produzent war, auf Forrest Gump bezogen, tatsächlich, nachweisbar, auf dem Einkommensniveau der sprichwörtlichen Kirchenmaus. Der Mann rannte nun aber nicht zum Hollywood-Äquivalent des Arbeitsamtes und meldete sich dort arm. Weil: Seine anderen Beteiligungen, die hatten mit eben dem Film „Forrest Gump“ ja Geld gemacht. Vertrieb A, Verwerter B, Rechtehändler C. Riesengewinne. Dumm nur, dass Winston Groom mit denen keine Verträge hatte. Und die große Copyright-Grinsekatze im Clearinghouse kicherte leise vor sich hin. Und Winston Groom wartet bis heute darauf, dass ihm einer wenigstens ein Stück Schokolade anbietet.

 

Paranoide veranlagte Charaktere mögen nun vermuten, der Produzent habe sich das ausgedacht, weil er grundsätzlich Menschen die Winston Groom heißen nicht leiden kann. Was nachweislich nicht der Fall war, schließlich hatten Winston Groom’s Ideen ihn sehr viel reicher werden lassen. Der Produzent hatte nur einen cleveren Finanzvorstand der ihm beibrachte, dass es ganz grundsätzlich besser ist, wenn man ihm nicht in die Karten schauen kann.  Indem er sich eben so einen kleinen Zauberkasten zulegt, der Clearinghouse genannt werden kann. Oder auch nicht.

 

Nun ist Winston Groom darüber auch kein ganz armer Mann geworden, aber der zeitgenössischen Presse kann man entnehmen, dass er irgendwie leicht angesäuert war, zu erfahren, dass der bis dato erfolgreichste Film aller Zeiten - nach einem Besuch im Frisiersalon Clearinghouse - eigentlich irgendwie ein Flop war. Oder auch nicht. Je nach dem.

 

Nun sind wir Jahre weiter. Die Technik der Clearinghouse-Box ist ungleich komplexer, ihre inneren Zustände disproportional verwirrender geworden. In dem streng abgeschotteten Raum rasen ganze Rudel von Epstein’schen Katzen umeinander, wechseln Farbe, Größe, Namen, verschmelzen psychedelisch ineinander. Und das in einer Vielzahl von Mutationen und Permutationen, das selbst ein gestandener Quantenphysiker sich am Kopf kratzen würde. Die Hexenmeister sind die Buchhalter und das, was man im Englischen „Martian accounting“ nennt, ihr Instrument.

 

Weil innerhalb des Hauses alles möglich ist. Nehmen wir mal an, die Republik Burkina Faso würde gerne ein Paket Filme erwerben. Darunter das extrem erfolgreiche Werk „Epstein’s Katze“. Rechtehändler C hat vom Produzenten die Rechte für zwei Äpfel und ein Ei erworben, verkauft eventuell weiter an Verwerter B. Der wiederum aus diesem und anderen Filmen ein Paket schnürt, welches er an die Republik Burkina Faso verkauft. Schon jetzt wäre die Verwertungskette für den Filmautor oder denjenigen der für ihn die Rechte wahrnimmt, nur noch schwer nachvollziehbar. Auch oder gerade wenn der Film „Epstein’s Katze“ dann zu dem Renner in Burkina Faso wird und dort Millionen Zuschauer an sich zieht.

 

Weil: Wer in der Kette hat wem für wie viel welche Rechte wie lange eingeräumt? In welcher Währung wurde verrechnet? Wie ist das Paket, das aus erfolgreichen Filmen, weniger Erfolgreichen und einem erlesenen Sortiment von Luschen geschnürt wurde, finanziell eigentlich zu bewerten? Was wenn der Händler behauptet, dass was hier ein Flop sei, in Burkina Faso traditionell ein Hit wäre und umgekehrt? Ja, dass der durchschnittliche Burkinese normalerweise lieber einen (virtuellen) Flop-Film wie „Klarhaus’ Kirchenmaus“ schaute und man deshalb den Erfolgsfilm „Epsteins Katze“ eigentlich nur als Dreingabe ins Paket dazugelegt habe? Der dortige Erfolg also vollkommen unerwartet und marktunüblich sei? Und wie viele Leute kann der Anwalt des Autoren engagieren, die sich in Burkina Faso an Kinos aufstellen und die tatsächlichen Zuschauer zählen? Und was wenn dann „Klarhaus’ Kirchenmaus“ und „Epsteins Katze“ als Doublefeature laufen, wie und wem sind dann Einspielergebnisse zurechenbar? Fragen über Fragen.

 

Und natürlich geht es auch noch komplizierter: Weitaus unangenehmer und undurchschaubarer würde die Sache, wenn im Gegenzug die Republik Burkina Faso selbst an Verwerter B wenig zahlen würde, sondern - verkürzt gesagt - dem Produzenten ein Viertel der agronomisch verwertbaren Fläche von Burkina Faso für hundert Jahre in Erbpacht schenken oder „bartern“, also gegen etwas - z.B. einen warmen Händedruck - tauschen würde. In der Konstruktion ist es übrigens egal, ob dem Verwerter B der Produzent sowie die Firmen A & C gehören (inclusive ein Viertel der agronomisch nutzbaren Fläche Burkina Faso’s) oder umgekehrt oder andersrum.

 

Hauptsache ist man gehört sich untereinander. Oder? Oder eben gerade nicht, weil man über eine Schachtelkonzern-Rochade zwei völlig unabhängige Firmen miteinander Geschäfte machen lassen kann, deren Gewinne aber am Ende innerhalb ein und desselben Konzerns generiert werden. Außerdem: Der Konzern könnte ja nun statt Agrarfläche natürlich auch alle TV-Frequenzen, Netz- und Telefonrechte von Burkina Faso erwerben. Die ja erkennbar in keinem Zusammenhang mit dem Film „Epsteins Katze“ und seinen hunderten Geschwistern stehen (der Film wird dann als „content“ über’s Handy ausgewertet, aber das ist eine andere Geschichte).

 

Richtig interessant wird es ja erst, wenn man die mit Mäusen schwerst unterversorgten Katzen - sprich die verhungerten - in das Spiel mit einbezieht. Jetzt werden plötzlich genau die Filme wie „Klarhaus’ Kirchenmaus“ zu höchst wertvollen „Assets“. Zum Beispiel in dem man einem von Gewinnen und damit einer unangenehmen Steuerlast bedrohten Subunternehmen in einer Nation mit hoher Steuerlast so viele Katzenleichen zubucht, dass dessen Gewinne, die im Clearinghouse ganz woanders hingerutscht sind, sich endgültig in Nichts auflösen. Da gibt’s vom Finanzamt eventuell sogar noch was zurück.

 

Und spätestens jetzt wälzen sich im „Clearinghouse“ die Epstein’sche Katzen - besser: deren Dompteure  - irre kichernd am Boden. Als hätten sie an in LSD getränkten Mäusen geleckt. Weil nur auf den Stufen, Treppen, Geheimgängen des „Alice in Wonderland“’schen Clearinghouse eben wirklich tot zu sein genauso gut sein kann wie der umgekehrte Aggregatzustand.

 

Epstein beschreibt, in seinem in Deutschland bis dato bedauerlicherweise unveröffentlichten Buch, zudem noch die durch die technischen Novitäten neu eingezogenen Stockwerke des Clearinghouses eindringlich: Verwertung über DVD, Video on demand, Blockbuster auf dem Handy, das permanente Umdeklarieren, Redekorieren, Frikassieren und Filettieren von Stoffen, Filmen, Büchern.

 

Ohne zu werten, ohne sich zu einer Seite in den daraus sich ergebenden Konflikten zu bekennen, stellt Epstein den Prozess wissend kühl dar. Und da wird einem ganz kalt ums kleine, deutsche Urheber-Herz. Während man sich hierzulande derweil mit den Produzenten um irgendwelche possierlichen „Körbchen“-Modelle kabbelt und darüber vergisst, dass die Produzenten meist selbst keine weiteren Auswertungen ihrer Filme machen können und von den Sende- und Verwertungsketten öfter mal als Entsorgungsstellen für deren Produktionsrisiko betrachtet werden, ordnet sich die Branche in einem gleichermaßen chaotischen wie gigantischen Prozess immer neu.

 

Wobei die Entwicklung momentan eine Dynamik hat, die ihresgleichen sucht und Epsteins Buch sich von Neuauflage zu Neuauflage hinterher hangeln müsste. Der Sender ABC stellt jetzt schon mal attraktive Serien direkt ins Netz, gleichzeitig kriselt die Kino-Branche vor sich hin, von Mal zu Mal gerettet von Käpten Jack Sparrow oder anderen Großereignissen, bedroht von DVD und Video on demand. Wer das Beste von Jon Stewart in seiner „Daily Show“ sehen will, kann das bereits bequem im Netz tun, mit Einschränkungen in der Bild und Tonqualität. Noch. Mit verbesserten Bandbreiten werden sich auch hier die Verhältnisse grundlegend ändern.

 

Dahinter träut das „youtube“-Universum mit ganz neuen Formen der audiovisuellen Kommunikation, wo man von privaten Karaoke-Clips bis zu originalen Scharfschützenvideos aus dem Irakkrieg Sachen auf die augen kriegt, die den Betrachter ahnen lassen, wie radikal Umbrüche in unserer Branche aussehen könnten. Betonung bitte auf „könnten“. Dass es um „youtube“ schon die schönsten copyright-Fetzereien gibt, ist ein deutliches Zeichen, dass auch die Konzerne die Dynamik erkannt haben.

 

Es zeichnet sich also eine Entwicklung ab, in der es sogar den Epstein’schen Katzen zu bunt werden könnte. Dringend suchen die Konzerne nach Wegen, ihren „content“ zu schützen. Was im konkreten Fall nicht nur heißt, Softwarepiraten das Handwerk zu legen, sondern auch Wege zu finden, den Filmen weiter den Nimbus des Großereignisses zu geben. Nur das leiert die Transmission so an, dass sich 100 Millionen Dollar Monstren noch rentieren und nicht absaufen wie die Petersens’ Poseidon.

 

Und hier zeichnen sich die wirklich neuen Fronten im Verteilungskampf ab: Rein theoretisch können sich im Netzwerk neuer Vertriebsformen kleine, unabhängige Filme ihr Publikum leichter suchen oder, umgekehrt, das Publikum für seine Spezialinteressen geeignete „Produkte“ gezielt suchen. Hier ergeben sich eventuell Schlupflöcher für neue, schnelle Produktionsformen. Der Prozess würde selbst für die großen „Clearinghouses“ viel schwerer zu kontrollieren sein und/oder sie müssten „Independents“ um sich scharen, diesen, gegen Entgelt, ihre Vertriebsplattformen zur Verfügung stellen. Wobei sich natürlich wieder, ganz entschieden, die Frage stellt: Wo bleiben die Mäuse? Wie ist der Erfolg oder Nichterfolg auf dieser Ebene noch zu verifizieren?

 

Was nützen uns, den Autoren, den Regisseuren, den Urhebern also z. B. Beteiligungsmodelle, wenn der Produzent selbst schon lange an fast nichts mehr beteiligt ist? Was nützen sie uns, wenn solche Nutzungen mittelfristig gar nicht mehr kontrollierbar, verifizierbar sind? Was machen wir denn, wenn der Produzent pleite geht und sein Filmkatalog mit unseren Kreationen irgendwo in den Kellern der großen, bunten Medienverwurstungsmaschinen verschwindet? Wenn sich der Grundsatz „Für Nutzung erfolgt Entgeltung“ also komplett auflöst? Und/oder Preise so gestaltet werden, dass auch beim eigentlich ursprünglichen Produzenten nichts oder deutlich zu wenig ankommt? Vor allem dann, wenn dieser noch dazu unabhängig und gar nicht Teil der Verwertungskette ist?

 

Verkürzt gesagt befinden wir uns in der Situation, dass die Dompteure und Metzger der Epstein’schen Katzen sich laut weinend darüber beschweren, dass wir, die Urheber, die Jonglierarbeit im Clearinghouse unfairerweise mit Urheberrechten behängen und damit erschweren. Nun hat das ja einen überaus rationalen und  völlig unkriminellen Grund: Die beschriebene Fraktionierung des Marktes, die Vielfalt der Verwertungsarten, überfordert heute auch Produzenten. Gleichzeitig eröffnen sich immer neue Treppen, Wege, Türen, Schlupflöcher, welche die Produzenten gerne nutzen würden. Ja die sie nutzen müssen und zwar gerade dann, wenn sie kleinere, unabhängige Produzenten sind. Also diejenigen, die mit uns, den deutschen Urhebern, in den weitaus meisten Fällen tatsächlich die Filme machen. Was in der Logik heißen könnte: Wir müssten uns auch mal den Kopf des jeweils anderen zerbrechen. Weil Rechtehandel in einem derartig fraktionierten Markt tatsächlich Anforderungen stellt, die quantenmechanische Komplexität hat.

 

Woraus sich, über Epstein’s Schilderung hinaus denkend, eventuell auch ein strategisches Umdenken für Urheber hierzulande ergeben müsste. Die Verhältnisse zwingen uns jedenfalls, stärker aus dem Reservat des reinen Künstlerdaseins herauszutreten und uns klarer und eindeutiger als kreative Einzelunternehmer zu definieren. Und wir müssten überdenken, ob es nicht mehr Ähnlichkeiten zwischen unserer Position und der von Produzenten, vor allem den wenigen noch relativ unabhängigen (und dazu zähle ich selbst noch große Firmen und manche Firmenkonglomerate, die uns groß erscheinen mögen, die im internationalen Vergleich aber Kleinstspieler sind) in diesem Land gibt.

 

Um einen solchen Prozess einzuleiten - vor allem auf Hintergrund von Tarifverhandlungen die noch stark vom nicht eben frischen Geist einer Dienstleistungsgewerkschaft getragen scheinen - müssten allerdings viele kleine Teufel Weihwasser trinken und vice versa. Und eventuell kann am Ende ein GEMA-Modell stehen, um den Grundsatz „Für Nutzung erfolgt Entgeltung“ aufrecht zu erhalten. Interessant in dem Zusammenhang, dass in einem jüngsten Prozess der amerikanischen Filmindustrie gegen das „christliche“ Frikassieren von Filmwerken durch fundamentalistische Vertreiber, das Urheberrecht wieder hochgehalten wurde. Von den Produzenten! In der Folge sind nun in einem Teilbereich die Urheber in den USA heute besser geschützt als hierzulande.

 

Aus dem Vorgang wäre die Frage abzuleiten, ob wir hierzulande nicht besser daran täten, mitten im Prozess der Umgestaltung, der uns wegzuspülen droht, Interessensähnlichkeiten mit den Positionen der Regisseure und Produzenten zu suchen, versuchten mit diesen zusammen einen Mechanismus zu bauen, der unsere gemeinsamen Interessen gegenüber den tatsächlichen Verwertern unserer Werke für die Zukunft besser schützt. Und der den eventuellen Vorteil hätte, dass wir es vermeiden könnten uns in Positionen manövrieren zu lassen, in denen die zwar realen aber nur partiellen Interessensunterschiede zwischen den genannten Gruppen im Vordergrund stehen. Wir uns also völlig idiotischer Weise gegeneinander positionieren lassen.

 

Würde es gelingen, eine muntere, lebendige Koalition dieser Gruppen hinzukriegen, dann ständen den übermächtigen Besitzern der Clearinghouses halbwegs gestärkte Copyrightinhaber entgegen. Copyrightinhaber die sich nicht verweigernd einmauern, sondern die zum allgemeinen Nutzen auch der Verwerter, selbstbewusste und erfindungsreiche Marktteilnehmer sein könnten. Also damit wenigstens eine Chance hätten, mal mit der Taschenlampe in die Blackbox zu leuchten. Und die Epstein’schen Katzen würden zum allgemeinen Nutzen und Frommen, zur Kirchenmaus umdeklariert, im Sack verkauft.

 

Informationen zum Autor: www.edwardjayepstein.com